“Eine Woche voller Samstage” – Stadttheater Bielefeld

Ein Sams zur rechten Zeit
Paul Maars “Eine Woche voller Samstage” feierte Premiere im Theater Bielefeld
VON ANTJE DOSSMANN

Bielefeld. Große Dinge werfen ihre Schatten voraus, und wer will bezweifeln, dass ein Sams ein großes Ding ist? Wenn auch ein eher kleines großes Ding, ein rundes dazu, mit roten Haaren und Rüsselnase.
Das Gesicht voller blauer Punkte mit magischen Eigenschaften, die das Kerlchen zu einem besonders drolligen guten Geist machen. Obwohl Paul Maars Kinderbuchklassiker “Eine Woche voller Samstage” im Mai spielt, passt die Geschichte wunderbar in die Vorweihnachtszeit.
Mario Holetzeck hat das erkannt und für das Theater Bielefeld aus der berühmten Vorlage die diesjährige Weihnachtsinszenierung für Kinder ab fünf Jahre herausgearbeitet. Sie unterstreicht den Mut machenden Geist des Originals und zugleich seine Fantasiefülle. In den Tagen, bevor einem ein Sams erscheint, kommt es immer zu einigen aufschlussreichen Ereignissen, die man nur richtig deuten muss.

Zärtlich angesamst
Wie Herr Taschenbier das macht, an den sich das freche, aber liebenswerte Geschöpf daraufhin zärtlich ansamst. Seine treue Ergebenheit ist gepaart mit der anarchischen Lust, Taschenbiers Leben zu verändern. Denn sein unfreiwilliger Gastgeber, den das Sams kurzerhand Papa nennt, kann eine Frischekur für sein ziemlich stickiges Dasein dringend gebrauchen.
Bald gewinnt der bislang von der putzwütigen Vermieterin Frau Rotkohl “gemopte” und seinem neurotischen Chef tyrannisierte Junggeselle an Statur. Bis alle Wochentage verstrichen sind und die Wunschpunkte aufgebraucht. Im 1973 erschienenen Buch “Eine Woche voller Samstage” wünscht sich Taschenbier am Ende schlau eine Wunschmaschine, was seitdem unzählige Kinder dazu veranlasst hat, Ähnliches zu ersehnen. Besonders vor Weihnachten.
In der von Mario Holetzeck inszenierten Bielefelder Bühnenfassung bewegen sich die personifizierten Wochentage in Tag- und Nachtsequenzen durch eine Stadtlandschaft, die wie erträumt wirkt. Mit seinen schrägen Behausungen und originellen Fortbewegungsmitteln findet die von Julia Hattstein ausgestattete Produktion mühelos Anschluss an die noch leicht bewegliche Vorstellungswelt des ganz jungen Publikums.

Fröhliches Chaos
Herr Taschenbier wohnt in einer Hundehütte, Frau Rotkohl in einer riesigen Waschmaschine. Am Tage stiftet das Sams fröhliches Chaos, das den Kindern bestens gefällt. Die Nachtszenen sind dann für manchen Knips ganz schön unheimlich, doch komische Wendungen sorgen rechtzeitig für Entspannung. Das gesamte Ensemble ist großartig.
Allen voran Karla Trippel. Ein derartig samsiges Sams, wie sie es spielt, muss man erst einmal hinbekommen. Und Georg Böhm als Taschenbier ist auch klasse. Seine augenzwinkernde Entwicklung vom Suppenhuhn zum Superhelden macht nicht nur Kindern Spaß.
Nicole Paul gibt auf Rollschuhen und mit Putzlappen am Gesäß eine angemessen schrille Frau Rotkohl. Björn Jacobsen ist als Studienrat Groll so fies, dass man sich auch als erwachsener Zuschauer dabei ertappt, dem Pauker nur das Schlechteste zu wünschen. Und Jan Kämmerer glänzt als dickes Chefgetier ebenso wie als durchgeknallter Anzugverkäufer. Am Ende begeistert klatschende Hände und leuchtende Augen bei Groß und Klein. Ein herrlicher Familienspaß, keine Frage.

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