“Zwischenlandung” – Theater am Alten Markt

Uraufgeführt: Revue “Zwischenlandung” in Bielefeld
Slapstick in der Abflughalle

VON JOHANNES VETTER – Neue Westfälische

Bielefeld.Eine unplanmäßige Zwischenlandung in Islands Hauptstadt nötigt eine bunt zusammen gewürfelte Truppe zu einem gruppendynamischen Slapstick. Die Irritationen dieser ungewohnten Begegnungen – mit sich selbst und mit den anderen – sind der Treibstoff der turbulenten Handlung.
Die Bielefelder Schauspielerin Carmen Priego, Autorin der “Zwischenlandung”, hat mit Sinn fürs köstlich Subtile eine musikalische Revue gezaubert, in der sich die persönlichen Dramen der Protagonisten in einem komödiantischen Feuerwerk entluden. Sprachwitz, populäre Lieder verschiedenster Genres, mitreißende Gesangsensembles und eine von Stefan Kunzke pointiert erarbeitete Choreographie ließen sieben Schauspieler des Bielefelder Theaters über sich hinauswachsen.

Julia Friede schmetterte ein verzweifeltes “Ich bin stark” von Gitte, während ihr Liebhaber – akustisch präsent über Walkie-Talkie – sie mit leeren Versprechungen abspeiste. Nie hat man jemanden charmanter “Arschloch” sagen hören. Oliver Baierl, der den trommelnden Putzmann Abu Raed gab, oblag der erste Gesangsauftritt: “Ich bin ein Gänseblümchen im Sonnenschein.” Man nahm es ihm ab.

Charme einer hochfrustrierten eleganten Dame

Lukas Graser (Tierpsychologe Jürgen Schlunz) telefonierte winselnd und kläffend mit seinen Klienten und profilierte sich ebenso virtuos auf der Blasharmonika. Zwischendurch verschwand er mit der Zahnärztin Ute Antonie Wiedemann hinter den Kulissen. Katrin Nowak verlieh ihr den Charme einer hochfrustrierten eleganten Dame mit züngelnden Sehnsüchten.

Jan Kämmerer (Büromann Johannes Lüling) überzeugte als wahres Ekel aus der Shareholder-Value-Generation. Mental zusammenbrechend sank er schließlich an den wogenden Busen der ewig schuldbewussten Vulkanologin Johanna Knirr. Die in grobe Strickware gehüllte Nicole Paul (Kostüme: Brit Daldrop) mengte ihr wissend eine derb-energische Note bei.

Guido Wachter gab zunächst den coolen Sicherheitsmann Sveinbjörn Sveinbjörnsson (allein die Namen!), um dann nach der Pause als blinder Passagier und Ex-Fakir Prajit Kumar Guptadie Lachmuskeln des Publikums zu strapazieren. Das alles, und noch viel mehr, hatten Franz Burkhard und Marcus Grube zu einer formidabel-geistreichen Inszenierung gebündelt. Die Krone aber gebührt Bettina Koch, die die sieben Akteure zu musikalischen Glanzleistungen gecoacht hatte. Als musikalische Leiterin am Flügel setzte sie diskret aber zwingend Akzente. Eine eindeutigeEmpfehlung: Unbedingt reingehen!

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